Titel
Beschränken die Strukturen im Wissenschaftssystem die Kreativität von Forschung?
Die Autor:innen
Phillip J. Haubrock, Antonín Kouba und Teun Everts et al.
Journal
Nature Human Behaviour
Kernproblem
Förderstrukturen, Begutachtungsverfahren, Publikationsanforderungen, Hierarchien und Beschäftigungsbedingungen können Forschung und wissenschaftliche Arbeiten beeinflussen.
Haubrock et al. (2026) eröffnen strukturelle Perspektiven darauf, wie Publikationsdruck, kurzfristige Förderungen und unsichere Karrierewege sichere, vorhersehbare und reproduzierbare Forschung begünstigen.
Besonders Early-Carrer-Researcher haben häufig wenig Autonomie und müssen zugleich Publikationen, Drittmittel und andere Leistungsnachweise erbringen. Hinzu kommen Zeitmangel, hierarchische Abhängigkeiten und ungleiche Ressourcen.
Sie stehen besonders unter Druck sich bestehenden Erwartungen und Konzepten anzupassen, statt neue Ideen in den Diskurs einzubringen.
Die Autor:innen legen daher nahe, dass kurzfristige Leistungsanreize und berufliche Unsicherheit risikoreiche, originelle Forschung unattraktiver und beschwerlicher machen können.
Sie warnen zudem davor, dass dadurch wissenschaftliche Vielfalt verloren gehen und der Fokus stärker auf inkrementelle statt auf grundlegende Neuerungen ausgerichtet werden könnte.
Wenn vor allem sichere und schrittweise Verbesserungen systemisch belohnt werden, könnten originelle Ideen, unterschiedliche Perspektiven und wissenschaftliche Durchbrüche seltener entstehen.
Wissenschaftliche Kreativität ist nicht allein eine persönliche Eigenschaft. Sie hängt auch davon ab, ob das Wissenschaftssystem genügend Zeit, Sicherheit, Autonomie und Raum für Fehler ermöglicht.
Außerdem sollten Qualität, Zusammenarbeit und langfristige Beiträge zu Forschungsfeldern stärker zählen als reine Publikationszahlen. So könnte ein Wissenschaftssystem entstehen, das innovative Forschung nachhaltiger fördert.
